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Oliver Steger - Jazz für Kinder und Autos

Oliver Steger agiert zwar auch als Sideman gerne im Hintergrund, hat aber nicht nur am Bass seine Finger im Spiel. Ein eben erschienenes Jazz-Buch für Kinder und seine Arbeit für das Wiener Label cracked anegg sind Beleg für die engagierte Basisarbeit des Bassisten, zahlreiche Projekte - von Drechsler bis zur Car Radio Band - zeugen von der stilistischen Bandbreite des sympathischen Musikers.

„Jazz für Kinder. Carla lernt Instrumente, Interpreten und Musikstile kennen“, so der Titel des Buches, mit dem Oliver Steger sein Autorendebüt vorlegt. Illustriert wurde das Buch, das den Jüngsten und Junggebliebenen als Einführungswerk in den Jazz dienen soll, von Peter Friedl. Ergänzt wird das Unterfangen durch die CD „Mit ‚Bruder Jakob’ durch die Jazzgeschichte“, mit 14 speziell komponierten Originalaufnahmen. „Vor etwa einem Jahr ist der Verlag mit der Idee an mich herangetreten. Die Geschichte hat mich auch sofort interessiert, weil ich dazu aufgefordert war, das, was ich jetzt schon so lange mache, plötzlich für ein ganz anderes Publikum neu auszulegen“, erklärt Steger. „Die Aufgabe, sich auch einmal anhand eines anderen Mediums als der sonst üblichen CD mit der Thematik auseinanderzusetzen, war eine spannende Herausforderung und eine wirkliche Horizonterweiterung für mich.“
Nicht die einzige Herausforderung in diesem Zusammenhang: In Kooperation mit Jeunesse wurde das in Anlehnung an das Buch von Martin Schwanda inszenierte Theaterstück „Carlas’s Jazzmobile“ konzipiert, das bereits im Konzerthaus Premiere hatte und im Verlauf des Jahres an weiteren Spielstätten zur Aufführung kommt. Dabei sind nicht zuletzt auch die schauspielerischen Qualitäten jener Musiker gefordert, die schon bei der Einspielung Begleit-CD beteiligt waren: „Mein Ziel war es, für das Buch ein Musik-Programm zu entwickeln, das auch in einem anderen Kontext Sinn macht, für ein älteres Publikum, im Rahmen einer Lesung oder im Club“, so Steger. „Bruder Jakob habe ich nicht zuletzt deshalb gewählt, weil sich bei diesem Stück modale Bearbeitungen richtig gehend anbieten - und von den über tausend Kindern, die bisher in diesem Stück waren, haben bisher wirklich alle das Lied sogar noch in der Bebop-Version erkannt und gehen körperlich unglaublich mit“, freut sich der Autor. Neben Steger und Trompeter Lorenz Raab nehmen sich die Pianistin Julia Siedl und der Schlagzeuger Harald Tanschek anhand von 18 Variationen des Kinderlied-Klassikers an und kleiden diesen in jazzige Varianten, die von Swing-, Fusion- und Free bis hin zum Nu-Groove reichen.
Für letzteren ist - unter anderem - auch das Label cracked anegg bekannt und geschätzt, das Oliver Steger gemeinsam mit der Sängerin Sharon Anegg betreibt. „2001 zum Zweck der Veröffentlichung ihrer eigenen CD gegründet, hat sich das Label mittlerweile verselbstständigt. Wir machen an die acht Produktionen pro Jahr und Sharon ist ein unglaubliches Organisationstalent. Mittlerweile zu fünft, entscheiden wir alle gemeinsam was für uns Sinn macht, wobei natürlich auch das Live-Potential der jeweiligen Band eine große Rolle spielt“, fasst Steger das Konzept von cracked anegg zusammen. „Außerdem wollen wir eine möglichst große Bandbreite abdecken und ruhig auch einmal über ein bestimmtes Zielpublikum hinausgehen, um mehr Leute anzusprechen“, fügt er lachend hinzu.
Ein aktueller Schritt in diese Richtung dürfte die Veröffentlichung von „deluxe“, der Debüt-CD der Car Radio Band um den Gitarristen Markus Mayerhofer sein. „Markus kenne ich schon lange, wir haben gemeinsam studiert. Vor kurzem hat er mich dazu eingeladen, diesen Gig mit einer Ska-Band zu spielen“, erzählt der Bassist. „Mir hat das früher mal ganz gut gefallen, aber vor allem die Zusammenarbeit mit Schlagzeuger Bernhard Breuer, der ja auch viel free spielt und ein enormes Gefühl für rhythmische Freiheiten mitbringt, war für mich eine unglaublich positive Überraschung“ erklärt Steger begeistert. So hat der vielseitige Musiker auch gleich tatkräftig an der Produktion des Albums mitgewirkt, das in einem nicht ganz gewöhnlichen Studio im EKH entstanden ist. „Die haben dort tolles, altes Analog-Equipment aus den Beständen des ORF, und für mich macht diese Musik einfach nur mit einem authentischen Hall-Effekt Sinn“, betont Steger mit Verweis auf den typischen Sound des legendären jamaikanischen Studio One, in dem Anfang der Sechziger die Klassiker des Genres, u.a. von den ebenso legendären Ska-talites, eingespielt wurden.
Auch hier - ganz der Bassist - vor allem unterstützend tätig, wagt sich der gelernte Krankenpfleger dieses Jahr mit der Verwirklichung seines eigenen Rock-Projektes an die Öffentlichkeit, das ihn nach langer Zeit wieder am E-Bass und flankiert von 2 Gitarren plus Sängerin Meena Cryle präsentiert: „Die Band heißt Fictionality und rangiert stilistisch zwischen Pop, Rock und Jazz.“ Er grinst: „Mich interessiert eben vieles!“ - was spätestens jetzt mehr als offensichtlich sein sollte.
Martin Gansinger

Aktuelle CD
Car Radio Band
deluxe
cracked anegg

Aktuelles Buch
Oliver Steger/Peter Friedl
Jazz für Kinder
Anette Betz Verlag/Ueberreuter
gepostet am 04-04-2008 11:58:45, mehr Artikel von SRA.at, mehr Artikel aus der Kategorie Jazzzeit.at